04/10/2005
Konzert-Review: SCHANDMAUL, 1.10.2005, Nürnberg Löwensaal
SCHANDMAUL + Orchester
Akustik Tour 2005
Datum: 1.10.2005
Location: Nürnberg, Löwensaal
Zeit: 21.00 (genauer eigentlich 20.55 - die erste Band die ich erlebt hab, die ZU FRÜH kam!)
"Du gehst zu nem Schandmaul Konzert? Aber du hörst doch gar nicht solche Musik, oder?" Das stimmt, Mittelalter-Rock ist wirklich nicht mein Stil, aber andererseits bin ich inzwischen offen für beinahe jede Musikrichtung. Und für meine beste Freundin tu ich doch so ziemlich alles. Auch mit ihr zum Konzert ihrer Lieblingsband gehen, obwohl ich mich bis jetzt kaum für Schandmaul interessierte und auch fast nichts von ihnen kannte. Doch trotzdem war ich mir sicher, dass es mir gefallen würde, und beim genaueren Hinhören der CDs zu Hause entdeckte ich schon ein paar Songs, die ich sogar richtig gut fand: "Leb!", "Dein Anblick", "Seemannsgrab" und "Der Clown" zum Beispiel.
Und natürlich hab ich Recht behalten (passiert ja schließlich immer :P ).
Ich liebe Bands, die dich einerseits zum fröhlich Singen, Rumspringen und Tanzen bringen können und auf der anderen Seite zum Weinen. Und Schandmaul gehören da auf jeden Fall dazu. Als die 6 Bandmitglieder plus Orchester und, äh, wie nennt man das, Percussionistin?, die Bühne betraten, kam erst einmal ganz die erste Seite zum Vorschein. Beispielsweise bei "Drachentöter", das als 2. Stück an "Tyrann" anschloss. Ein Gefühl, ich sag es euch, ich hab mal wieder gespürt, wie mich Live-Musik in den Bann ziehen kann, es war ähnliche Euphorie wie bei Coldplay - bis auf dass sie bei ihnen als meine Lieblingsband klar heftiger war, aber trotzdem. Von den Schandmäulern dachte ich: Ich mag Stefan, den Drummer. Dann: Birgit, die Flötistin und Dudelsackspielerin (was für ein Gerät), sieht gar nicht schlecht aus, so wie sie sich zu ihren Songs bewegt. - Wow, der Bassist! Anna, die Geigerin & Drehleier-Spielerin ist toll und voll hübsch. Na und Thomas, den Sänger, mag ja sowieso jeder, so ein süßer Kerl. Nur vom Gitarristen Martin bekam ich irgendwie kaum was mit, ich bemerkte erst nach vielen Songs, dass er überhaupt auf der Bühne stand (lag auch daran, dass er links stand, Mona und ich aber eher rechts, nachdem wir uns ja auf der Suche nach den anderen, Martin mit dem Rotschopf und so, bis in die 4. Reihe vorgezwängt hatten *kicher*) Schade dass er selbst unscheinbar war - sein Gitarrenspiel allerdings gar nicht! Aber letztendlich fand ich Matthias am Bass am besten, irgendwie, ich hatte bei seinen geilen Slap-Einlagen eindeutig "F-L-E-A" im Kopf und gab immer ordentlich Applaus. Außerdem schien er für jeden Song nen anderen Bass zu haben ^^ tja Geld wenn man hätte... (Zuatzbemerkung: Hab gerade gelesen, dass Matze auch noch am liebsten Red Hot Chili Peppers hört - HA, ich wusste es doch!) Aber jetzt wieder zurück zum Konzert und den Songs.
Wie gesagt, Schandmaul können dich gleichermaßen zum Weinen und zum Lachen bringen. Und Thomas schaffte es, die allertraurigsten Songs mit ulkigen Ansagen einzuleiten und so die Stimmung dennoch heiter zu halten. Nie wär ich drauf gekommen, dass "Kalte Spuren", ein ganz berührendes Liebeskummer-Lied folgt, nachdem Thomas uns erzählt hat, dass er gerne zum Frühstück Eierscheiben auf sein Brot legt und ihm deshalb seine damalige Freundin einen Eierschneider gekauft hat. Doch, hier kommt's - der war das Einzige, was von dieser Beziehung übrig blieb... Auch vor "Der Clown": "Könnt ihr auch ganz ganz traurig sein? Seid mal traurig?" - "Oooooooooooooooh", antworten 2000 Stimmen und keiner denkt nur daran, wirklich traurig zu sein, sondern verkneift stattdessen ein Lachen. Schandmaul verstehen es zu entertainen - "ein Schandmaul-Konzert ist nicht nur ein Konzert, sondern ein interaktives Ereignis", wie Birgit den Publikumstest, die Sing- und Hüpfwettbewerbe ankündigte. Und da machte jeder ordentlich mit (außer dem seltsamen blonden Metaller neben Mona, der das ganze Konzert über nur stumm und steif mit verschränkten Armen dastand und böse guckte, vielleicht war das seine Form von Ekstase und er sprang in Gedanken genau so irre rum wie die anderen?). Beim Singwettbewerb gabs auch den, wie ich persönlich finde, schönsten Moment des Konzerts, nämlich als jeder im Saal die Zeilen des Refrains von "Dein Anblick" sang - traumhaft, diese Andacht und das ganze Lied...
Traumhaft wurde es auch noch einmal bei einer der Zugaben, "Geisterschiff", die Bühne in gespenstisch blaues Licht getaucht. Ich hätte davon zwar noch lieber die laute Rock-Version gehört, aber das hier war halt nun mal die Akustik-Tour, und das war hauptsächlich auch gut so :) Ein Lied namens "Sonnenstrahl" war auch noch im Zugabenteil - sooo süß! Das würde ich auch einem kleinen verängstigten Kind zur Beruhigung vorsingen.
Ein weiterer zauberhafter Moment für Mona, mich und zwei Fans neben uns war die Geschichte mit der letzten Wunderkerze: Jeder hatte zum Lied "Willst du" Wunderkerzen angezündet. Als es sich gerade zum Ende neigte, brannte nur noch eine einzige davon, und die hielt der Junge neben uns hoch, alle anderen im ganzen Saal waren bereits veglüht, nur diese eine noch inmitten des Raumes, und sie ging genau mit dem letzten Ton aus. So toll :)
Nach etwa 2 Stunden machte sich die Band ans Verabschieden, und zwar mit einem extra Lied: "...ich werd mit Freuden an euch denken, ich werd mit Freunden auf euch trinken auf ein Wiedersehen", wobei wir nochmal kräftig mitsingen. Dann war es vorbei. Alles in allem ein geniales Konzert. Eine Band, die immer noch mit einer Begeisterung spielt, als würden sie das zum 1.Mal machen. Jedesmal, wenn Birgit & Matthias einander zugewandt lächelnd und ausgelassen zu ihren Songs tanzten, konnte man es sehen.
Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit...
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