22/10/2005
CD-Review: ROBBIE WILLIAMS :: Intensive Care
ROBBIE WILLIAMS - Intensive Care
Europa ist wieder im Robbie-Fieber! Da werde auch ich als "Ex-Mrs. Williams" wieder lebendig, nachdem ich meine CD-Sammlung monatelang nicht mehr angerührt hatte. Vor allem nachdem ich eine Vorab-Kritik von der britischen Zeitung "The Sun" gelesen habe, in der es als anders und besser als seine Vorgänger beschrieben wurde. Seit dem 21.10. ist "Intensive Care" auch bei uns im Handel, und endlich kam auch ich dazu, mir selbst ein Bild davon zu machen.
Mein 1. Eindruck, nach 1 1/2 mal Hören lautet: Robs neues Album ist perfekt. Perfekt als Untermalung für irgendwelche Arbeiten, bei deren Verrichtung man sich gleichzeitig noch auf andere Dinge konzentrieren kann, sich aber nicht davon ablenken lassen sollte. Bügeln oder sowas. Und so wird man sich beim Hören von Robbie's neuen Songs bestimmt nicht die Finger verbrennen. Die Lieder laufen einfach an dir vorbei, ohne dich groß mitzureißen oder zum Nachdenken zu zwingen.
Doch ich gab erstmal nicht die Hoffnung auf, dass das Album nach mehrmaligem Abspielen noch "wachsen", also mich doch noch überzeugen würde.
würde. Es gab auch schon Lieder bzw. Passagen von Liedern, die mir ganz gut gefielen, z.B. die Chöre von "Make Me Pure", der neuen Single, & "The Trouble With Me", die gesprochenen Strophen in "Spread Your Wings" ("she knows she knows she knooooows"), "King Of Bloke & Bird", "Sin Sin Sin" und schließlich "Tripping", der Vorab-Single (VÖ 4.10.). Da teilten sich ja schon die Meinungen: Die einen, die Robs eingängige Pop-Songs gewöhnt waren fandens scheiße, die anderen, die wie ich auf etwas Neues, Anderes, gewartet haben, fandens toll. Es vereint den (Brit)pop von Robbie's älteren Songs (Gitarren, Chor, Orchester), das Elektronische von "Radio" und noch irgendwas undefinierbares Anderes. Ich hatte mir mehr Songs dieser Art erhofft, aber nur "Sin Sin Sin" mit seinen Synthie-Pop-Sound kommt außergewöhnlich daher.
"Here I stand", singt Rob stolz ganz am Anfang des Albums in "Ghosts". Jep, Robbie ist wieder da! "Victoria, the first man that made you come." Aha? Textlich scheint Rob (noch) persönlicher geworden zu sein und sich weiterentwickelt zu haben. Schon die Songtitel klingen recht ungewohnt und vielversprechend. Es geht um 30 Jahre alt werden und immer noch nicht die wahre Liebe gefunden zu haben (Make Me Pure), schmerzhafte Liebe überhaupt ist ein großes Thema (Ghosts, King Of Bloke And Bird), das Glück, das ihm das Leben als Star keineswegs beschaffen konnte und seine Bewunderung für Musikikonen wie Elvis und die Stones (Advertising Space, A Place To Crash).
Mit mehrmaligem Anhören ändert sich meine Meinung etwas, aber nicht sehr. Ich kann dieses Album einfach nicht total geil finden, sondern mir nur denken "naja...kann man schon anhören". Den meisten Songs kann ich was zunächst etwas positives abgewinnen, sie fangen richtig cool an und du denkst dir "hey, das könnte gut werden" .doch dann kommt der Refrain oder eine andere Passage und ist so unerträglich poppig-seicht mit 0815-Melodie und nettem Backgroundgeträller.
Meine Favoriten bleiben letztendlich "King Of Bloke & Bird", das einzige Lied, das mir ein bisschen ans Herz geht (obwohl auch hier auf die Schwere, Tiefgründigkeit und Traurigkeit der Strophen wieder ein einfacher, belangloser Tralala-Refrain in ganz unpassender Dur-Tonart folgt) und "Tripping". "A Place To Crash" ist ein perfekter Gute-Laune-Song, nur leider hab ich die ganze Zeit das Gefühl, ihn schon lange lange Zeit zu kennen.
Ich bin mir sicher dass viele Leute dieses Album mögen werden, wenn sie nicht zu anspruchsvoll sind. Es ist eben einfach nur Pop. Okay, Rob hat ja auch nie etwas anderes gemacht. Aber Pop ist so ein breit gefächerter Begriff, da sind sowohl solche Interpreten wie Tokio Hotel (ach Moment, die sind ja Rock LOL ähem, okay, komme vom Thema ab, lest bitte auf Seite... weiter) enthalten, als auch ernsthafte Bands wie Coldplay und Wir Sind Helden. Und Rob scheint sich hiermit nur teilweise weiter zum ernsthaften Popmusiker weiterentwickelt haben. Er klingt wie zu Beginn seiner Solo-Karriere, als er noch nicht ganz befreit vom Boyband-Image zu George Michael's "Freedom" rumhopste und sang. Andererseits waren schon auf seinem ersten Album Goldstücke wie "Angels" drauf. Und seit "Swing When You're Winning", was ja wirklich ein Meisterwerk war, hat er sich immer weiter zu einem wirklich genialen, ernsthaftern Musiker entwickelt. Nach "Escapology", meinem absoluten Lieblings-RW-Album, hätte nun der nächste Schritt folgen müssen. Tja, daneben. Ob das vielleicht daran liegt, dass "Intensive Care" das erste Album ist, das Robbie ohne seinen früheren Songwriting-Partner Guy Chambers, sondern mit Stephen Duffy geschrieben hat? Chambers hat so ziemlich jedem von Robbie's Hits die Melodie verpasst, und was komisch ist, gerade über ihn hatte sich Robbie beschwert, dass er jeden Song zwangsläufig zu radiotauglich werden werden ließ...
Jedenfalls, was machen wir jetzt damit? Sagen wir mal...dieses Album ist durchschnittlich. Nicht besonders gut, nicht besonders schlecht. Ja. Robbies Album sind aber normalerweise gut...somit also ein eher enttäuschendes Ergebnis.Wenn ihr also zu Weihnachten eine Robbie-CD unter den Christbaum legen und auf Nummer sicher gehen wollt, kauft besser die "Greatest Hits" oder natürlich "Escapology".
Robbie Williams
Intensive Care
VÖ: 21.10.2005
5/10 Punkte
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