20/02/2006

Die drei lustigen Weggefährten aus dem Ghetto

Kleine Anekdote zu einer Geschichte, die mir heute Mittag passiert ist...

Jeder kennt sie. Sie begegnen euch ständig, denn es sind auf einmal so viele, dass man sich fragt, wie sie alle vor ihrer Verwandlung ausgesehen haben; und wie sie nun aussehen könnten, wären sie nicht zu dem geworden, was sie jetzt sind.
Könnt ihr mir folgen?
Gut, wenigstens das, ich kann das nämlich bei den Verhaltensweisen der beschriebenen Wesen oft nicht. Es handelt sich natürlich um die HOPPER.
Sie wackeln sich in Grüppchen, in diesem Fall zu dritt, durch die City, so gut es die Weite ihrer Hosen zulässt, froh ohne angeschossen zu werden ihrem brutalen Ghetto entkommen zu sein und nun frei Schnecken checken zu können. Dabei nehmen ihre radarähnlichen Augen wirklich jedes halbwegs gutaussehende Mädchen im Umkreis, in ihrer Sprache auch „Shorty“, „Braut“ oder wenn sie ganz doll männlich (und wohl sehr frustriert) sind, „Bitch“, sofort auf. Die Information „Braut in Reichweite – jetzt reagieren“ wird umgehend ans Gehirn weitergeleitet und in eine Reaktion umgewandelt. Schon wenden sich die Oberchecker breit grinsend ihrem Zielobjekt zu und es sprudelt das Intro zu einem sehr gekonnten Anmach-Freestyle aus ihren Mündern hervor. „Servus!“ Erstaunlich unamerikanisch. Die „Braut“ überholt das Trio für gewöhnlich tonlos und läuft vor ihm her, was ganz gut ist, da man ihr 1. dann nicht ansieht wie sehr sie ihr Lachen unterdrücken muss, 2. der Anblick ihres Hinterteils die Gangsta auf der Stelle zu noch besseren Versen inspiriert und 3. deren Schallwellen die bitch so besser erreichen können. Allesamt mit rhythmischer Aussprache und Handbewegung vorgetragen, laden die sehr poetischen, freestyligen Sprüche zur Interpretation ein. Was zum Beispiel will der krasse Checker a) mit „Da geht der Mond auf“ sagen? Will er kreativer sein als seine Mitstreiter b) und c) und nicht die in der Musik schon so oft vorkommende Sonne verwenden? Die meisten Formulierungen werden allerdings mit gesenkter Stimme gesprochen und damit auch noch akustisch unverständlich. Am Ende der Performance kommentieren die Kollegen gegenseitig ihre Leistung. Da kommen dann Bewertungen wie „Da hast du voll in den Beat reingegroovt.“ Ohne Scheiß. Wie im Bilderbuch.
Ich frage mich an der Stelle, wie sich die Jungs eigentlich zu Hause bei Mama benehmen. Geht’s da dann etwa auch: „Ey Aldä, isch bin daheim! Was geht ab, ey?! Hast du was Grooviges zu essen gemacht oda muss isch nochma voll schnell zu Burger King rüber jumpen?“

Irgendwie ist diese Sorte von Menschen richtig niedlich und lustig. Sie machen, dass ich Montag Mittag mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen in den Zug steige. Danke :)

Senden Sie einen Kommentar